Gastbeitrag vom Mann
Der Mann schreibt mal wieder, denn die in Blumat – Tank und Pumpentechnik beschriebene Technik funktioniert hier nicht mehr ganz, und wir haben mit dem vergleichsweise riesigen Garten auch andere Bewässerungsprobleme zu lösen, als „nur“ eine Tropfanlage für einen Balkon zu bauen.
Wasser – woher nehmen?
Wasser ist (noch) relativ billig (1000 Liter kosten ungefähr 5,50 Euro ( 2 Euro Frischwasser, der Rest sind Abwassergebühren), gleichzeitig ist das ganz schön teuer, wenn man es sich sparen kann, und zum Beispiel Regenwasser verwenden kann.
Wir zahlen sogar eine Gebühr für das Ableiten von Oberflächenwasser (es regnet aufs Grundstück und läuft ins Siel). Diese wird zwar nicht geringer, wenn wir davon was im Garten versickern lassen, aber gleichzeitig wird Grundstücksbesitzern nicht 1:1 die Abwassergebühr fürs Frischwasser angerechnet, sondern davon ausgegangen, dass ein Teil des Frischwassers im Garten zum Giessen verwendet wird.
Unser Dach hat vier Flächen, und damit auch vier Regenrinnen-Fallrohre, die das Regenwasser geordnet ins Siel abfliessen lassen.
Also – wir nehmen Regenwasser vom Dach, und zwar vom Süddach des Haupthauses, weil sich dort das Fallrohr an einer günstigen Stelle zum Abzapfen des Regenwassers befindet.
Wie das genau geht, kommt noch später.
Wasser – wie aufbewahren?
Um giesen zu können, wenn es gerade nicht regnet, muss das Regenwasser aufgefangen und so lange gespeichert werden, bis gegossen werden soll.
Die Vorbesitzer des Grundstücks hatten drei IBC, also je etwa 1000 Liter fassende Container, die auf eine unklare und vor allem den physikalischen Möglichkeiten von Wasser und Schwerkraft nicht gerecht werdende Weise miteinander verbunden waren, und auf noch unklarere Weise mit Schmodder befüllt wurden.

Verkommene IBC in der Grünen Hölle von Glückstadt, Winter 2024/2025
Wir haben diese aus dem Loch gezerrt und geguckt, ob diese noch dicht sind, Ventile getauscht, Löcher zu geklebt und vor allem den Efeu mit Eigenbedarf rausgeklagt.

IBC und anderer Plastikmüll im Garten

Schlamm im IBC wird mit Wasser aus dem Poolhaus ausgespült
Dann haben wir die Kanister ordentlich gereinigt, leider waren die auch von innen total verschmockt.
Gereinigt nicht mit Leitungswasser, sondern wir haben ja da noch diese andere Möglichkeit, vieeel Wasser aufzubewahren, und da hatten zufällig gerade eine nicht geringe Menge zur Verfügung:

Das alte Schwimmbecken im Poolhaus fasst 48 Kubikmeter, hier mal im leergepumpten Zustand.
Im Anschluss haben wir die IBC wieder an ihrem inzwischen komplett gerodeten und aufgeforsteten Platz aufgestellt und so miteinander verbunden, dass sie wie ein großer Tank funktionieren (da waren sie wieder, die kommunizierenden Rohre) und mit Zulauf (hinten) und Ablauf (mittlerer IBC) versehen.

IBC werden viel im landwirtschaftlichen Umfeld eingesetzt, dafür gibt es ein großes Sortiment von passenden Rohren, Ventilen, Adaptern und so weiter. Wir leben hier schon irgendwie auf dem Land, wir haben das auch daran gemerkt, dass es die passenden Anschlussstücke im örtlichen Baumarkt wie selbstverständlich neben dem Gardena-Sortiment gibt.

Größenvergleich IBC-Verrohrung D63 und Gardena System
Die IBC haben inzwischen auch eine Füllstandsanzeige, der Kunststoff ist zwar semitransparent, aber nur ein bißchen semi. Kommunizierende Rohre auch hier!

Füllstandsanzeige durch einen durchsichtigen Schlauch mit einem orangen Schwimmer
So können wir auch aus dem Wohnzimmer sehen, wie der Wasserstand ist.
Regenwasser in die IBC bekommen
Im Fallrohr des Süddaches ist ein Regenwasserdieb (die heißen wirklich so) etwa 90cm über dem Boden installiert. Die Konstruktion macht sich zunutze, dass Wasser nicht einfach so ein Rohr runterfällt, sondern immer erstmal am Rand des Rohres entlang läuft.
Dort wird es aufgefangen und durch einen Schlauch in eine Regentonne abgeleitet. Der clevere Teil ist, was passiert, wenn die Regentonne voll ist. Diese soll ja nicht überlaufen.
Die Regentonne muss dafür auf der richtigen Höhe mit dem Wasserdieb stehen, es bildet sich, wenn sich die Regentonne füllt, wieder ein System von kommunizierenden Röhren (das letzte Mal, ich schwör), das Wasser steht immer gleich hoch, so hoch, dass es im Regenwasserdieb bis an die obere Kante des inneren Auffangrohres steht und alles Wasser, was dann noch kommt, einfach überläuft und weiter durchs Fallrohr ins Siel abläuft.

Regendieb schematisch – Quelle: https://www.amazon.de/Regensammler-100-grau-105-Gartenartikel/dp/B001B4X3OO
In Wirklichkeit sieht das so aus: Die sichtbare Sicke ist die Markierung, die der maximale Wasserspiegel im Fass haben kann, steht das Wasser höher, läuft es im Regenrohr normal ab.

Der Regenwasserdieb in natura, das Ventil ist wegen Umbauarbeiten gerade geschlossen
Das Regenfass ist bei uns allerdings nicht die Endlagerstätte fürs Regenwasser, sondern nur ein temporärer Zwischenspeicher.

Regenwasserdieb und Anschluss ans Fass – anderer Blickwinkel
Wir haben ein Rohr aus dem gleichen Material (PE, D50) wie für die Verbindung der IBC einmal quer durch den Garten vom Regenfass bis zu den IBC verlegt, und in der Regentonne sitzt eine kleine (250W) Tauchpumpe, die ab einem bestimmten Füllstand der Regentonne das Wasser durch dieses Rohr in die IBC pumpt.

Blick ins Regenwasserfass – leer, aber mit Pumpe
Die Pumpe steht auf einem Pflasterstein, damit eventueller Dreck aus dem Regenrohr, der es schafft, den Dieb zu passieren, sich möglichst am Boden absetzt und so nicht in die Pumpe oder in die IBC gelangt, damit diese nicht verschlammen und damit die andere Pumpe zum Giessen (dazu später) versaut.
Die Tauchpumpe beginnt zu arbeiten, wenn der Wasserspiegel höher steigt, als der obere rote Schieber an der Pumpe gesetzt ist, und sie hört auf zu pumpen, wenn der Wasserspiegel niedriger als der untere rote Schieber sitzt, sinkt.
Das Fass ist in der Praxis viel zu groß (von der Höhe), aber sonst hätten wir ein viel kleineres Fass sehr viel höher passend zum Regenwasserdieb montieren müssen. So haben wir noch mal 180 Liter Reservekapazität (bis der Regendieb vorbeileitet).

Das neue Regenfass fügt sich einigermaßen ins Gesamtbild ein
Das Wasser wird also in die IBC gepumpt, dort müssen wir uns allerdings auch vor dem Überlaufen der IBC schützen, dafür ist in einem IBC ein Schwimmerschalter montiert, der beim Erreichen von 90% Füllstand einen Stromkreis öffnet, der von einem ESP32 (einem winzigen Mikrocontroller/Computer,) überwacht wird, und der wiederum beim Öffnen des Schwimmerschalters über die Homeautomatisierung die Steckdose der Pumpe im Regenfass am Haus ausschaltet (es gibt auch noch einen physischen Überlauf ins Siel).
Dazu verwende ich ESPhome, das sehr gut in unsere Homeautomatisierung eingebunden ist, und letztlich nur einen digitalen PIN auf Durchgang überwacht und nach 15s (falls es durch das Befüllen im IBC etwas schwappt) eine Automatisierung zum Abschalten der Regentonnen-Steckdose triggert.
Der wesentliche Code dazu sieht so aus:
# https://esphome.io/components/binary_sensor/gpio/
binary_sensor:
- platform: gpio
pin:
number: D2. # https://diytechadventures.de/pinout-esp8266-12-e-nodemcu/
mode:
input: true
pullup: true
name: Waterlevel
filters:
- delayed_on: 15000ms
device_class: moisture
Damit läuft dann das Regenwasserfass noch bis zum Regendiebmaximalfüllstand voll, und dann ist schluss.
Noch nicht ganz gelöst ist der umgekehrte Fall: Wir verbrauchen Wasser aus den IBC, der Schwimmerschalter schliesst, die Automatisierung schaltet die Pumpe ein (und weil da ja vermutlich viel mehr drin ist, als der obere Arbeitspunkt der Pumpe) schaltet diese sofort durch und der Schwimmerschalter ziemlich schnell wieder aus 😀 Da muss ich wahrscheinlich noch etwas Hysterese bzw sinnvolle Thresholds reinfummeln.
In der Praxis geht die Pumpe immer nur kurz (für etwa 30s) an und dann wieder aus. Die Daten sind noch mit dem alten Fass, das die gleiche Höhe, aber einen viel geringeren Durchmesser als das neue Fass hat. Mit den neuen, grünen Fass wird die Pumpe seltener aber dafür länger anlaufen.

Auswertung Pumpenlauf in Homeassistant
Regenwasser zum Giessen benutzen
Um das gesammelte Wasser zum Giessen zu benutzen, brauchen wir noch eine weitere Pumpe (Offenlegung: Es gibt aus verschiedenen anderen Gründen insgesamt noch zwei weitere Pumpen auf dem Grundstück), diese ist aber keine Tauchpumpe, sondern eine (nach dem ersten Angiessen) selbstansaugende Pumpe, die wir eine Zeitlang zum Trockenlegen des Pools benutzt haben, bis wir dafür auch eine flach ansaugende Tauchpumpe beschafft haben.
Die Giesspumpe saugt das Wasser aus dem mittleren IBC über einen darin immer etwas unter der Oberfläche schwimmenden Filterkorb ab.

IBC Container Deckel mit Sauggarnitur, Entlüftung und Schwimmerkugel Quelle: https://www.pvc-welt.de/IBC-Container-Deckel-mit-Sauggarnitur-Entlueftung-und-Schwimmerkugel_1
Das schützt schon mal vor meistens zu Boden sinkendem Gammel, solange wir die IBCs nicht komplett entleeren.
Die Pumpe selbst hat noch ein Vorfiltersystem und eine Wasserdruckregelanlage, die dafür sorgt, dass nur gepumpt wird, wenn auch Wasser abgenommen wird (also das Ventil am Ende des Schlauches gedrückt wird). Ansonsten wird bis zu einem voreingestellten Druck vorgeladen und dann die Pumpe abgeschaltet.

Pumpe mit Filter (blau) und Wasserdruckregler (schwarz, mit Display) und Entlüftungsöffnungen auf ein Brett geschraubt
Dahinter ist ein normaler Gartenschlauch, eine Schlauchtrommel und eine Brause/Spritze zum Giessen, soweit, so langweilig.
Den Filter reinigen wir auf Sicht. Alle paar Monate.
Und was ist mit der Tropfanlage?
Die wird wieder in Betrieb genommen, um das Gemüsebeet automatisch zu bewässern. Dafür nehmen wir das alte Wasserfass (100 Liter) und füllen es erstmal ab und zu manuell, 100 Liter reichen ja ne Weile aus.
In diesem Fass ist noch aus Balkonzeiten ein Schwimschalter verbaut, der uns wie oben per ESPhome alarmieren könnte, wenn das Wasser alle ist, aber das würde bedeuten, Strom in die Nähe des Fasses zu bekommen, und das seh ich gerade eher nicht als so wichtig.
Lohnt sich das ganze finanziell?
Kurzfristig: Nein, auf keinen Fall. Für 5,50 Euro den Kubikmeter Frischwasser kann man lange den Garten giessen, bis sich die Pumpen, Rohre, Fittings usw armortisiert haben.
Mittelfristig wahrscheinlich auch nicht… Über die Zeit sind grob 400 Euro in die Regenwasserauffanganlage gegangen, das sind 72 Kubikmeter Wasser zum Break Even. Wir messen die verbrauchte Regenwassermenge nicht, ich tippe mal auf aller aller höchstens 12 Kubik im Jahr. Also 6, eher mehr Jahre, in denen bestimmt auch wieder was kaputt geht, was nachgekauft werden muss.
Es lohnt sich aus unserer Sicht trotzdem, weil wir einfach sinnvoll mit wertvollen Resourcen umgehen, und Frischwasser nur im Haus benutzen – auch da ginge noch was, z.B. Klospülung mit Regenwasser, das bräuchte aber zusätzliche Wasserleitungen im Haus, die wir nicht haben, weil wir zum richtigen Zeitpunkt da nicht drüber nachgedacht haben.